„Dorf und Du“ – die Dorf-Akademie mit neuen Angeboten für Dorf-Aktive und Ortsbeiräte

Für Klaus Karger und Bernd-Uwe Domes, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau (wfg), ist die Aufgabe von Marius Wetz eine der drei tragenden Säulen der Dorf-Akademie: Zentraler Ansprechpartner für alle Menschen zu sein, die sich „für die Entwicklung ihrer Dörfer und die Zukunft der Region interessieren.“ Mit Bewilligung der LEADER-Mittel für die Dorf-Akademie im Sommer 2020 hat der 29-jährige, aufgewachsen in der Wetteraukommune Rockenberg und noch immer dort lebend, diese Aufgabe von der wfg übertragen bekommen. Seitdem leitet er als Projektmanager die unter dem Markenzeichen „Dorf und Du“ firmiert Dorf-Akademie LEADER-Region Wetterau/Oberhessen die angebotenen Qualifizierungsangebote für Bürgerinnen und Bürger aus den 17 Kommunen im Wetteraukreis.

Gelungener Start trotz Corona

Im ersten Vortrag nach dem offiziellen Start der Dorfakademie stellten Dr. Andrea Soboth und André Haußmann vom „Team 360 Grad“ in Echzell die Möglichkeiten für die „Bürgerbeteiligungen aller Generationen“ vor. Große Resonanz hatten auch die ebenfalls im Oktober vergangenen Jahres angebotenen Veranstaltungen zur „kindgerechten Vermittlung von digitalen Kompetenzen“ unter dem Titel „Robotik für Kinder“ in Ortenberg. Auch die Dorfspaziergänge mit Dipl.-Ing. Rainer Tropp in Lindheim/Himbach sowie durch die neue Mitte in Nidda-Wallernhausen erfreuten sich großer Beliebtheit Dann kam der Lockdown. Der mit dem Diplom-Ingenieur Otfried Herling vorgesehene dreistündige Präsenz-Workshop „Innenentwicklung als strategische Daueraufgabe“ musste aufgrund der Auflagen in der Corona-Pandemie verschoben werden.

Dass die Themen Innenentwicklung und Dorf-Akademie in der Region einen so hohen Stellenwert einnehmen, hat mehrere Gründe. Im Rahmen der Ideenfindung zum regionalen Entwicklungskonzept brachte die Büdinger Erste Stadträtin Ulrike Strauch die Idee einer „Dorf-Akademie“ ein, die in den Folgejahren im LEADER-Arbeitskreis „Lebensraum Dorf“ diskutiert und als Projektvorhaben weiterentwickelt wurde. Insbesondere die Aufnahme im Bundesforschungsprogramm „Kommunen innovativ“ (2016-2018) bot die Möglichkeit, sich intensiv mit den Potenzialen der Innenentwicklung zu beschäftigen. Konkret wurde das Forschungsprojekt in den Kommunen Ortenberg, Nidda und Butzbach in Kooperation mit der Universität Gießen erfolgreich durchgeführt.“

Mit viel Elan startete die wfg denn auch in Kooperation mit dem Verein Oberhessen, dem Wetteraukreis und dem Verein Wirtschaft.Regionalentwicklung.Wetterau sowie der Unterstützung vieler Ehrenamtlicher das Projekt der Dorfakademie offiziell im September 2020. Ihr Anliegen – die zweite Säule der Strategie - dezentrale Veranstaltungen etwa zu Themen wie demografischer Wandel, gesellschaftliches Miteinander oder Mobilität und Nahversorgung der Dorf- Akademie vor Ort durchführen zu können, wurde indes durch die Auflagen in der Corona-Pandemie ausgebremst.

Informationsplattform im Internet

Doch es gibt noch die dritte Säule, die derzeit tragend für die Dorf-Akademie ist: eine Wissens- und Informationsplattform im Internet zu sein. Als die Idee für „organisierte Informations- und Bildungsangebote im ländlichen Raum“ entstand, war Marius Wetz kurz vor seinem Abschluss an der Technischen Universität in Darmstadt. An der TU schloss er sein Studium als Master of Arts im Studienfach Staatswissenschaften mit einer Arbeit über Public Private Partnerships und interkommunale Zusammenarbeit ab. Bereits zuvor hatten sich an der Universität Gießen lokale Politik, Raumsoziologie und digitale Arbeitswelten als zentrale Themen seines Studiums manifestiert. Manche Diskussion oder auch mancher Disput in der Familie - der Vater von Marius Wetz ist Bürgermeister von Rockenberg - mag ihn dabei unterstützt haben, nach seinem Studium nicht „in die weite Welt“ aufzubrechen, sondern im „heimischen Raum“ zu wirken.

Die nötigen Qualifikationen auf dem Papier brachte Marius Wetz also für die Aufgabe als Projektmanager der Dorf-Akademie mit. Als seine persönlichen Stärken sieht er seine Offenheit für alles Neue und seine Verbundenheit mit der Region an. Die praktischen Erfahrungen macht er nun seit einem Jahr. Dass ihm Bernd-Uwe Domes und Klaus Karger eine so verantwortungsvolle Aufgabe übertragen haben, sei ein Zeichen großen Vertrauens. „Dafür bin ich sehr dankbar.“

Auch wenn der 29-Jährige in seiner Aufgabe versiert Videokonferenzen organisieren oder Online-Chats organisieren kann, fehlt auch ihm das persönliche Gespräch mit Menschen, denen die Dorf-Akademie gerade vor Ort eine Kommunikationsplattform sein will. „Aber wir lernen von jedem Austausch“, sagt Marius Wetz. „Ob online oder live.“

Bis auf weiteres wird also auch die Dorf-Akademie „nur“ Angebote im Netz machen können. Bernd-Uwe Domes: „Die Corona-Situation hat uns in einer sehr unglücklichen Situation für die Dorf-Akademie erwischt und uns Resonanzboden ein ganzes Stück weit entzogen. Wir werden weiterhin Angebote online machen. Einige, wie etwa Dorfbegehungen oder Präsenzveranstaltungen im Rahmen der Dorfwerkstatt mussten wir verschieben.“ Dabei hofft und setzt der wfg-Geschäftsführer auch auf die Geduld der Ortsbeiräte, aus denen viele Vorschläge für Themen kamen. „Dort gibt es eine unglaublich hohe Motivation für die Entwicklung der Ortskerne und der Dörfer.“ Einhergehend mit einem großen Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich „methodisches und fachliches Wissen, wie es die Dorf-Akademie anbietet, wünscht, um anstehende Aufgaben besser lösen zu können.“ Alle Beteiligten der Dorf-Akademie werden daran weiterarbeiten.