Entwicklung kommt von innen

Übersicht

Infolge des demografischen Wandels ist die Aktivierung der Dörfer mit ihren Ortskernen eine gesellschaftliche Hauptaufgabe, weshalb die Bewusstseinsbildung bei den Menschen grundsätzlich Bedeutung für die Maßnahmen zur Aktivierung der Orte hat. Deshalb unterteilt sich das Qualifizierungsangebot in zwei Workshops und richtet sich an Bauverwaltungen und Mandatsträger der Kommunen, aber auch an Bürgerinnen und Bürger als Grundstückseigentümer und Interessierte, die sich in lokalen Netzwerken austauschen, somit an partizipativen Planungsprozessen beteiligen und damit dem Konzept „Innen- vor Außenentwicklung“ nachgehen können.

  1. Flächenmanagement in den Kommunen: Hierbei soll durch ein Impulsreferat der Fokus auf die Vorgaben aus der Regionalplanung mit dem Zielhorizont 2030, interkommunaler Entwicklung und sozialer Einrichtungen/Gemeindebedarfseinrichtungen gelegt werden. Des Weiteren sollen die Teilnehmer ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus ihrem lokalen Umfeld/Heimat aufschreiben, deren Ergebnisse im Anschluss analysiert werden.
  2. Kommunales Monitoring: In diesem Impulsreferat soll die Relevanz von kommunalen Geodaten als Grundlage für ein digitales Informationssystem erläutert werden. Diese beinhalten bspw. Einwohnermeldedaten, reale/potenzielle Leerstandsdaten oder Baulückenkatasterdaten. All diese Daten erlauben in der Gesamtbetrachtung eine städtebauliche Entwicklungsmodellierung im demografischen, sozioökonomischen Kontext. Durch eine jährliche Aktualisierung kann die Genauigkeit dieser Daten erhöht werden und somit für kommunale Mandatsträger bei späteren Entscheidungen sinnhaft sein.

Referent: Dipl. – Ing. Otfried Herling (KOMMUNAL – Beratung und Entwicklung)

  1. Entwicklungsgeschichte Dorf: Hierbei werden thematisch die heutigen Dorfstrukturen aufgearbeitet. Dabei sollen vor allem die sozialen, geografischen, politischen, religiösen und ökonomischen Ursprünge der Dorfstrukturen aufgezeigt werden und wie/ ob diese heute noch zu erkennen sind. Die Unterschiede zwischen einem Dorf und einer Großraumsiedlung werden erarbeitet.
  2. Die heutigen öffentlichen Räume im Dorf: Thematisierung der heutigen Bedeutung von historischen sozialen Treffpunkten im Dorf, welche Qualitäten diese für das jetzige Dorfleben haben und ob sich dieses erweitern/erneuern lässt.
  3. Bauen im ländlichen Kontext: Thematisierung der Konflikte zwischen zeitgemäßen Strukturen und historisch- gewachsenem ländlichen Raum, sowie die kontroversen Diskussionen zwischen Dorfentwicklung und Nachhaltigkeit.
  4. Dorf und Landschaft: Thematisch werden hier die beiden Themenfelder Dorf und Landschaft aufgegriffen und miteinander verknüpft. Besonderer Wert wird dabei auf den Begriff Kulturlandschaft gelegt und welchen Bezug er zum Dorf hat. Ebenfalls soll in diesem Vortrag die differenzierte Betrachtung zwischen dem Siedlungsraum Dorf und dem Landschaftsraum vorgenommen werden.

Referent: Dipl. – Ing. Rainer Tropp (Tropp Plan)

In vier Referaten stellt Architekt Gustav Jung (Vorsitzender Denkmalbeirat Wetterau) unterschiedliche Konzepte zur Baukultur in Dörfern vor. Leerstand, Verfall und Abbruch sind die Folge unwiederbringlich verlorengegangener Funktionen aus Landwirtschaft und Handwerk in den agrarisch geprägten Dörfern der Wetterau. Dieser Entwicklung steht der Bedarf nach neuem Wohnraum bedingt durch Zuwanderung in die Wetterau entgegen. Der Wetteraukreis ist der Landkreis in Hessen mit dem höchsten Bevölkerungszuwachs seit dem Zensus 1987[1]. Daraus ergibt sich großer Handlungsbedarf zur Schaffung einer wohnbaulichen Perspektive insbesondere für Familien durch Generierung einer wertigen und attraktiven Baukultur in den Dörfern. Darin liegen die Chancen einer baulichen Zukunftsperspektive (Innen- vor Außenentwicklung), die noch zu wenig erkannt, gesehen und genutzt wird. Somit gerät die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum für die jüngere Generation in unseren Dörfern der Wetterau zunehmend ins Blickfeld. Durch gezielte, nachhaltige Innenentwicklung werden wertvolle landwirtschaftliche Flächen am Ortsrand nicht unnötig durch Neubaugebiete verbraucht/versiegelt.

Die Veranstaltung soll dazu beitragen, dass die Teilnehmer ein sicheres Gespür für den identitätsstiftenden Wert der Strukturen und Gebäude der Wetterauer Dörfer entwickeln und fantasievolle Weiterentwicklungen fördern. Zusammen mit den Teilnehmern werden anhand von Beispielen Kriterien für einen angemessenen Umgang mit dem Bestand entwickelt. Themeninhalte sind wie folgt:

  1. Grundlagen: Baukultur und dörfliche Struktur
  2. Sanierung anhand exemplarischer Aufgaben: Mauerwerk, Dächer, Fenster und Türen, Ausstattung, Energieeinsparung
  3. Baustoffe und Bauteile: Verwendung und Eigenschaften neuer Baustoffe und Bauteile, Beschaffung und Qualität historischer Baustoffe
  4. Nutzung, Umbau, Neubau, Recht: Nutzungsveränderung, Eingriffe in den Bestand, Umbau Wohnhäuser, Umbau Nebengebäude, Neues Bauen im Bestand, Ergänzungsbauten, Rechtliche Grundlagen

Referent: Dipl. – Ing. Architekt Gustav Jung (Büro für Architektur und Denkmalpflege)

In dieser Veranstaltung unternehmen Kinder u. Jugendliche eine Entdeckungsreise in die digitale Medienwelt. Dieser Workshop geht über die üblichen selbsterlernten digitalen Kompetenzen hinaus. Die Kinder lernen hierbei spielerisch eine Vielzahl an digitalen Kreativwerkzeugen kennen und selbstständig zu nutzen. Auch „Offline“ gibt es mit dem selbstentwickelten Spiel „Games of Brains“ die Möglichkeit, ernste Themen wie Hardware u Software, Decode u. Debug, Datenschutz u. Werbung, Cybercrime oder „Smartphone u. Smart User“ kennenzulernen.

Referent: Rinku Sharma (techeroes gGmbH)

In zwei Veranstaltungen (p.a.) wird inhaltlich der Bogen von der aktuellen Leerstandsproblematik im ländlichen Raum, über die notwendige Reduzierung der Neuinanspruchnahme von Flächen im Außenbereich, bis hin zu praxisnahen Lösungsbeispielen und digitalen Werkzeugen zur Aktivierung von Objekten für den Immobilienmarkt beleuchtet.

Referent: Bo Nintzel (immovativ GmbH)

[1] Prozentuale Bevölkerungsentwicklung zwischen 5/1987 und 6/2018: +22,17

Das Institut für Regionalentwicklung beteiligt sich mit vier Workshops an den Qualifizierungsangeboten, deren Inhalte sich über ein breites Spektrum der Regional- und Stadtplanung erstrecken:

  1. Bürgerbeteiligung aller Generationen: Vorgestellt werden Beteiligungsformate für verschiedene Zielgruppen in einem Dorf. Des Weiteren werden die Möglichkeiten aufgezeigt, Jung und Alt in den Dorfentwicklungsprozess einzubinden.
  2. Innenentwicklung ist mehr als bauen: In diesem Workshop wird mit den Teilnehmern der Begriff Innenentwicklung definiert und seine Bedeutung für die Dorfentwicklung veranschaulicht. Ebenfalls sollen Möglichkeiten der Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen aufgezeigt werden.
  3. Willkommensmanagement in der Praxis: Beantwortung der Fragestellungen: Wie gelingt es Zugezogene oder Rückkehrer in die Dorfgemeinschaft zu integrieren, diese Gemeinschaft damit gleichzeitig zu stärken und zu erweitern.
  4. Versorgungsbereiche stabilisieren, Gewerbevereine revitalisieren: Aufgrund von Online-Handel und Nachfolgeproblematiken stehen viele Gewerbetreibende und der Einzelhandel in ländlichen Kommunen unter (Handlungs-)Druck. Welche Möglichkeiten gibt es hier, gemeinsam mit den Gewerbevereinen diesem Handlungsdruck zu begegnen.

Referent: Arbeitsgemeinschaft Stadtentwicklung 360 Grad – Dr. Andrea Soboth (Institut für Regionalmanagement) und André Haußmann (Marketing Effekt GmbH)

Die wfg selbst beteiligt sich an den Qualifizierungsangeboten, indem sie Interessierte über die Fördermöglichkeiten nach Richtlinie des Landes Hessen zur Förderung der ländlichen Entwicklung informiert. Dabei soll ein Überblick über Ziel und Zweck, Inhalt der Richtlinie, Gebietskulissen und zuständige Stellen gegeben werden. Des Weiteren werden die Einzelbestimmungen mit ihren Teilbereichen ländliche Regionalentwicklung inklusive Regionalbudget, Dorfentwicklung und Dorfmoderation verständlich erklärt. Gleiches gilt für die Erläuterung der allgemeinen Förderbestimmungen.

Referent: Klaus Karger und Bernd-Uwe Domes (Wirtschaftsförderung Wetterau GmbH)

Die VHS ist bereit, Seminare im Bereich der Erwachsenenbildung anzubieten. Besonders Senioren und Ehrenamtliche sollen sich bei den Seminaren rund um die Themen PC, Internet und Social Media angesprochen fühlen. Anmeldungsmanagement, Inhalte der Lehrgänge und Zertifizierung sollen von der VHS übernommen werden.

  1. PC und Internet: In diesem Workshop sollen grundlegende Kenntnisse in der Arbeit mit PC und Internet (sog. EDV-Basics) vermittelt werden, da diese Kompetenzen in der heutigen Zeit (besonders für Vereinsarbeit) immer wichtiger werden. Diese Workshops richten sich vor allem an ältere ehrenamtliche Personen. Wenn möglich sollen die Veranstaltungen in den Räumlichkeiten der VHS stattfinden.
  2. Social Media: Dieser Workshop richtet sich an interessierte Ehrenamtliche mittleren Alters, welche schon ausreichende Kenntnisse rund um die Thematik PC und Internet haben. Social Media nimmt zunehmend und besonders für die Vereinsarbeit eine wichtige Rolle in unserem Leben ein. In diesem Seminar werden grundlegende Kenntnisse vermittelt und die Teilnehmer geschult.

Referent: Volkshochschule des Wetteraukreis (VHS)

Die beiden regionalen Kreditinstitute bieten bei Bedarf Seminare zu dem Thema Online-Banking und Paydirekt an. Dabei werden sowohl die einzelnen Schritte vermittelt, aber auch die Angst vor mangelnder Sicherheit der Systeme genommen. Vor allem für ehrenamtliche Vereinsmitglieder, welche sich viel mit den finanziellen Angelegenheiten auseinandersetzen, ist dies von Interesse.

Referent: Sparkasse Oberhessen/ Volksbank Mittelhessen

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